textile painting
a soft conversation
Solo-Ausstellung
21.4.2026 - 15.3.2027

A Soft Conversation
Text von Astrid Seeberger (Künstlerförderung HVB)
Ryke Turin erkundet in ihrer künstlerischen Arbeit das Spannungsfeld zwischen zeitgenössischer Textilkunst und Malerei. In ihren gewebten, objekthaften Malereien verhandelt sie die Beziehung zwischen Kontrolle und Intuition sowie zwischen Handwerk und Kunst.
Ausgangspunkt ihrer Werke sind textile Gewebe, die am Handwebstuhl entstehen. Die zunächst weißen Kettfäden bemalt die Künstlerin mit dem Schwamm oder färbt sie mittels anderer Verfahren wie dem Tauchfärben. So entstehen fließende Farbflächen, die sich langsam aufbauen und wieder lösen. In diesem Spannungsverhältnis zwischen klarer geometrischer Formensprache und freiem, intuitiven Farbverlaufentwickeln sich Arbeiten, die Ryke Turin als „Woven Paintings“ bezeichnet: textile Gemälde, die sowohl den Rhythmus des Webens als auch die Gestik der Malerei in sich tragen. Auf diese Weise gelingt es der Künstlerin, beide Welten zu verbinden und miteinander in Dialog zu setzen.
Mit ihrer Installation „a soft conversation“ erweitert Ryke Turin die gewebte Fläche in den Ausstellungsraum und verlässt damit bewusst die Grenzen des rechteckigen Bildformats. Die Beziehung zwischen Textilem und Malerei wird somit auch räumlich erfahrbar. Zwei großformatige gewebte Gemälde stehen sich über Eck gegenüber und sind durch aus dem Gewebe herausgelöste Kettfäden miteinander verbunden. Diese Fäden verlassen die zweidimensionale Fläche, durchqueren den Raum und kehren an anderer Stelle wieder in das Gewebe zurück. So entsteht eine Verbindung, die den Entstehungsprozess der gewebten Malereien sichtbar macht. Mit der Über-Eck-Installation erkundet die Künstlerin auch den Zwischenraum, in dem sie sich selbst mit ihrer künstlerischen Arbeit verortet. Die Installation thematisiert das Pendeln zwischen Malerei und Textilkunst und stellt die Frage nach der Zugehörigkeit in der Kunst.
Ergänzt wird die Installation durch vier Doppelgewebe in kleinerem Format, in denen Fäden ebenfalls kurzzeitig aus der Fläche heraustreten und über das Bild flottieren. Zusammen bilden die Arbeiten eine räumliche Reflexion über Dekonstruktion und Rekonstruktion, über textile Ordnung und malerische Freiheit– eine leise, aber präzise geführte „Gesprächssituation“ zwischen Material, Struktur, Farbe und Raum.


